Erhalte ich ein Krankengeld, wenn mein Kind krank ist?

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Seit Beginn der Corona-Pandemie müssen Eltern ihre Kinder immer wieder zu Hause betreuen, und zwar nicht nur dann, wenn diese krank sind. Die Schließung von Kindertagesstätten (Kitas), Schulen sowie Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen wie Werkstätten und Tagesförderstätten erfolgt derzeit zwar selten. Dennoch werden weiterhin bei Krankheitsfällen einzelne Klassen, Gruppen oder Kontaktpersonen vom Besuch der Schule oder Einrichtung ausgeschlossen. Für die Eltern bedeutet das, dass sie ihrer Arbeit nicht in vollem Umfang nachgehen können, weil sie sich um ihre Kinder kümmern müssen.

Der Gesetzgeber hatte deshalb für die Dauer der „epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ Entschädigungsmöglichkeiten vorgesehen. Auch nach Beendigung der epidemischen Lage am 25. November 2021 sollen sie aber weiter befristet gelten.

Gesetzlich Versicherte haben bis einschließlich 19. März 2022 einen Anspruch auf Krankengeld, wenn sie ihr Kind bedingt durch die Pandemie-Maßnahmen zu Hause betreuen müssen. Wie schon 2021 können Eltern auch 2022 pro Elternteil und Kind für bis zu 30 Tage Krankengeld erhalten, Alleinerziehende für bis zu 60 Tage.

Diese Regelung gilt nicht für Privatversicherte und auch nicht für gesetzlich Versicherte, deren Kinder privat versichert sind. Allerdings haben diese eine andere Möglichkeit, einen Verdienstausfall wegen Betreuung ihres Kindes zum Teil zu kompensieren.

Corona: Anspruch auf Entschädigung für privatversicherte Eltern

Für privat Krankenversicherte besteht die Möglichkeit einer Entschädigung für Verdienstausfall nach Paragraf 56 Infektionsschutzgesetz.

So sollen Eltern vor den finanziellen Belastungen eines Verdienstausfalls geschützt werden, wenn sie ihr Kind selbst beaufsichtigen, betreuen oder pflegen müssen. Einen Entschädigungsanspruch haben abhängig Beschäftigte sowie Selbstständige, wenn aufgrund der Maßnahmen zur Corona-Eindämmung

  • die Einrichtung zur Betreuung ihres Kindes oder die Schule ihres Kindes vorübergehend geschlossen wird oder
  • das Betreten der Einrichtung oder Schule untersagt wird oder
  • die Präsenzpflicht in der Schule aufgehoben wird oder
  • der Zugang zum Kinderbetreuungsangebot eingeschränkt wird oder
  • eine behördliche Empfehlung vorliegt, vom Besuch der Betreuungseinrichtung oder Schule abzusehen.

Damit wird erwerbstätigen Eltern - sowohl von Kita- als auch von Schulkindern bis zwölf Jahren oder älteren Kindern mit Behinderung und Hilfebedürftigkeit - ein Sicherheitsnetz gegeben. Die Entschädigung beträgt 67 Prozent des Nettoeinkommens (maximal 2016 Euro pro Monat) und gilt für zehn Wochen je Elternteil, bei Alleinerziehenden 20 Wochen - dieser Zeitraum kann tageweise aufgeteilt werden. Gibt es eine andere zumutbare Betreuungsmöglichkeit für das Kind, haben die Eltern keinen Anspruch auf Entschädigung. Selbstständige erhalten die Entschädigung direkt von der zuständigen Behörde, bei abhängig Beschäftigten zahlt der Arbeitgeber den entsprechenden Betrag aus und bekommt ihn dann von der Behörde erstattet. Weitere Informationen – unter anderem die genauen Bedingungen für den Erhalt der Entschädigung – finden Sie auf www.ifsg-online.de. Auf einer Unterseite dieses Portals können Selbstständige, abhängig Beschäftigte und Arbeitgeber aus den meisten Bundesländern zudem direkt den Antrag auf Entschädigung stellen. Die folgenden Bundesländern bieten Informationen und die Möglichkeit eines Online-Antrags auf eigenen Internetseiten: Bayern, Berlin, Hamburg, Sachsen.

Für Beihilfeberechtigte gilt die Regelung des Infektionsschutzgesetzes nicht. Bundesbeamtinnen und -beamte sowie Tarifbeschäftigte des Bundes können aber einen Sonderurlaub beantragen. Ausführliche Informationen dazu hat der dbb beamtenbund und tarifunion auf seiner Internetseite zusammengestellt. Ähnliche Regelungen gelten grundsätzlich für die Bediensteten der Länder. Beihilfeberechtigte sollten sich diesbezüglich an ihre Dienstherren wenden, sofern sie nicht bereits ausführliche Informationen erhalten haben.

Grundsätzlich: Kinderkrankengeld bei Erkrankung des Kindes

Zunächst einmal gilt: Sie haben bei Erkrankung eines Kindes unter 12 Jahren das Recht auf unbezahlte Freistellung von der Arbeit. Je Kind stehen Ihnen 10 Arbeitstage im Jahr zu, insgesamt aber höchstens 25 Tage bei mehr als zwei Kindern. Für Alleinerziehende gilt ein erhöhter Anspruch von jährlich 20 Arbeitstagen pro Kind bzw. 50 Arbeitstagen insgesamt.

Gesetzlich Versicherte können einen Antrag bei ihrer Krankenkasse stellen und erhalten für die Zeit der Freistellung ein Krankengeld. Voraussetzung ist, dass auch die Kinder gesetzlich versichert sind. Das Krankengeld beträgt 70 Prozent des entgangenen Brutto- oder 90 Prozent des Nettolohnes. Für solche und andere „versicherungsfremde Leistungen“ erhält die GKV jährlich einen Bundeszuschuss (2022: 28,5 Mrd. Euro), der von allen Steuerzahlern finanziert wird.

Für die Private Krankenversicherung ist keine Erstattung versicherungsfremder Leistungen vorgesehen. Eine Ausgleichszahlung aus Ihrem privaten Krankentagegeldtarif ist deshalb nicht möglich. Allerdings kann Ihr Arbeitgeber im Tarif- oder Arbeitsvertrag eine Regelung festschreiben, dass er z. B. für eine bestimmte Zahl an Tagen im Krankheitsfall des Kindes Ihren Lohn trotz Freistellung fortzahlt. Fehlt eine solche Regelung, ist Ihr Arbeitgeber ebenfalls verpflichtet zu zahlen. Grundlage hierfür ist das Bürgerliche Gesetzbuch. Eine Angabe über die Fortzahlungsdauer findet sich hier nicht. Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts muss der Arbeitgeber aber den Lohn für 5 Tage pro Jahr weiterzahlen, wenn das Kind jünger als 8 Jahre alt ist.

Im Zweifelsfall sollten Sie sich an Ihren Arbeitgeber wenden und nachfragen, wie er im Krankheitsfall Ihres Kindes die Entgeltfortzahlung regelt.

Januar 2022

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