Corona: Wie Zahnärzte ihre Patienten vor einer Ansteckung schützen

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Aus Sorge vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus haben viele Patientinnen und Patienten zu Beginn der Epidemie ihren Zahnarzttermin abgesagt. Die Private Krankenversicherung und Vertreter der Zahnärzte haben nun dazu aufgerufen, Zahnarzttermine nicht länger aufzuschieben. Über die Corona-Risiken und die speziellen Schutzmaßnahmen in den Zahnarztpraxen haben wir mit Dr. Gonca Hassert, Zahnärztin beim Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV), Referentin Abteilung Leistung ambulant, gesprochen.

Frage: Mit Beginn der Corona-Pandemie haben viele Patientinnen und Patienten ihren Zahnarzttermin abgesagt. Gibt es in der Zahnarztpraxis eine besonders hohe Ansteckungsgefahr?

Dr. Gonca Hassert: Wer regelmäßig zum Zahnarzt geht, weiß, dass der Zahnarzt-Patient-Kontakt für gewöhnlich über einen längeren Zeitraum in kurzer Distanz verläuft, das liegt in der Natur der Sache. Zudem wird in dem Bereich gearbeitet, der besondere Infektionsrisiken birgt, da Speichel und Schleimhäute betroffen sind.

Aus diesem Grund gab es schon vor der Pandemie strengste Hygienevorschriften, deren Einhaltung auch von den Gesundheitsbehörden regelmäßig kontrolliert werden. Es gibt kaum einen anderen Berufsstand, der bereits routinemäßig Flächen- und Händedesinfektion einsetzt und bei dem Handschuhe, Visier und Mund-Nasen-Schutz zur Standardausrüstung gehören.

Nach derzeitigen Erkenntnissen trugen Behandlungen beim Zahnarzt weder beim Behandlungsteam noch bei Patientinnen und Patienten zu einem erhöhten Covid-19-Infektionsgeschehen bei.

Mit welchen Hygienemaßnahmen haben die Zahnärzte auf die Ansteckungsrisiken reagiert, um ihre Patienten zu schützen?

Grundsätzlich basieren die Hygienevorschriften für Zahnarztpraxen auf einem Hygieneplan. Dieser wird den Praxen vom Deutschen Arbeitskreis für Hygiene in der Zahnmedizin (DAHZ) und der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) zur Verfügung gestellt. Der Hygieneplan beinhaltet die Empfehlungen des Robert Koch-Institutes „Infektionsprävention in der Zahnheilkunde – Anforderungen an die Hygiene“ und ist erst Anfang des Jahres überarbeitet und an die gegenwärtigen Forderungen des Infektionsschutzes angepasst worden.

Diese hohen Hygiene- und Infektionsschutzstandards sind nach Ausbruch der Pandemie nochmals verstärkt worden. Das Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) haben für die Zahnarztpraxen konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet. Darüber hinaus werden zum Gesundheitsschutz von Patienten sowie der Mitarbeiter in den Praxen eine Reihe von Hygienevorschriften umgesetzt, um einer Übertragung von SARS-CoV-2 vorzubeugen.

Dazu gehören zum Beispiel die Empfehlung einer flüssigkeitsdichten Abtrennung des Rezeptionsbereiches und die Einhaltung der empfohlenen Mindestabstände – auch unter den Mitarbeitern. Während der gesamten Patientenbehandlung sollen Brille oder Schutzvisier sowie Mund-Nasen-Schutz, Handschuhe und eventuell ein Schutzkittel getragen werden. Bei der Behandlung wird besonders auf eine sehr gute Absaugung geachtet, um die Aerosolentstehung möglichst klein zu halten. Darüber hinaus weisen Beschilderungen in den Praxen beispielsweise auf die Masken- und Abstandspflicht hin und im Eingangs- und Ausgangsbereich wird eine Händesprühdesinfektion bereitgestellt.

In den letzten Wochen hat sich die Situation bei der Beschaffung der persönlichen Schutzausrüstung deutlich verbessert. Aktuell gibt es keine Versorgungsengpässe mehr, die Praxen sind sehr gut aufgestellt.

Die Zahnarztpraxen haben sich auf die neue Situation gut eingestellt. Warum sollten Patienten die Zahnarzttermine wieder wahrnehmen?

Gerade Vorsorgetermine sind sehr wichtig, um eine Karies zu erkennen, eine Parodontitis-Erkrankung durch regelmäßige professionell durchgeführte Zahnreinigungen zu verhindern oder aber auch, um ernsthafte Krankheiten wie Krebs in der Mundhöhle frühzeitig festzustellen. Diese Behandlungen können und dürfen nicht über einen längeren Zeitraum aufgeschoben werden.

Privatpatienten finden jetzt auf ihren Zahnarztrechnungen die sogenannte Hygiene-Pauschale. Um was handelt es sich dabei?  

Die Corona-Pandemie stellte die Zahnarztpraxen vor immense Anforderungen, auch bei der Beschaffung von Schutzmaterial. In ihrem gemeinsamen Beratungsforum zur Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) hatte der Verband der Privaten Krankenversicherung und die Bundeszahnärztekammer mit Vertretern der Beihilfe eine schnelle und unbürokratische Hilfe vereinbart, um die deutlich erhöhten Kosten für Schutzkleidung und Hygieneaufwand zu erstatten. Seit dem 8. April 2020 können die Zahnärzte für jede Sitzung eine Corona-Hygiene-Pauschale von 14,23 Euro abrechnen. Diese Extravergütung ist in Form der GOZ-Nr. 3010 in analoger Anwendung vorgesehen und galt zunächst befristet bis zum 31. Juli 2020. Das Beratungsforum hat anschließend eine Ausweitung der Corona-Hygienepauschale bis 30. September 2020 beschlossen.

Nachtrag: Die Corona-Hygienepauschale wurde - zu angepassten Bedingungen - bis zum Jahresende 2020 verlängert. Zahnärzte können die GOZ-Nr. 3010 analog zum einfachen Satz abrechnen. Das sind je Sitzung 6,19 Euro.

August 2020

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