Corona-Tests bei Privatversicherten: Diese Regeln gelten

© iStock: rclassenlayouts

In diesem Text erfahren Sie:
- wer einen Corona-Test durchführt,
- wie viel ein Corona-Test für Privatversicherte kostet, wenn ein niedergelassener Arzt nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abrechnet,

- wann Sie den Test selbst bezahlen müssen,
- was bei Rückkehr aus dem Ausland gilt,

- wo Sie weitere Informationen zum Thema erhalten.

Zu Beginn der Herbst- und Winterzeit haben sich die Infektionen mit dem Corona-Virus drastisch erhöht. Die Bundesregierung hat daher die Nationale Teststrategie an das hohe Infektionsgeschehen angepasst. Auch die Coronavirus-Testverordnung wurde nochmals überarbeitet und ist seit 16. Januar 2021 gültig. Dabei sind die Vorgaben zur Durchführung der Corona-Tests gar nicht so leicht zu durchschauen – und bei den zwischenzeitlichen Änderungen ist es mitunter schwer, den Überblick zu behalten. Deshalb haben wir hier die wichtigsten Informationen für Privatversicherte anhand von acht Szenarien zusammengestellt.

Seit Oktober 2020 berücksichtigt die Nationale Teststrategie neben den üblichen PCR-Tests den Einsatz von Antigen-Schnelltests. Ihr Vorteil: Sie sind mobil und liefern bereits nach kurzer Zeit ein Ergebnis. Als Labortest ermöglichen Antigen-Schnelltests zudem die Untersuchung größerer Probenmengen („Massentests“). Ihr Nachteil: Die Testergebnisse sind weniger sicher und weniger genau als die der PCR-Tests. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt daher, sie nur bei Personen anzuwenden, bei denen der Test trotz Infektion ein negatives Ergebnis anzeigt, dieses aber trotzdem nicht zu schwerwiegenden Konsequenzen wie weiteren Ansteckungen beispielsweise bei Risikogruppen führt. Positive Testergebnisse sollen grundsätzlich mittels PCR-Test bestätigt werden. Weitere Informationen zu Antigen-Schnelltests finden Sie auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums.

Szenario 1: Der Haus- oder Facharzt veranlasst einen Test aufgrund von Krankheitssymptomen

Verordnet Ihr Haus- oder Facharzt Ihnen einen Corona-Test, weil Sie für die Krankheit Covid-19 häufig auftretende Symptome zeigen, setzt bei Privatversicherten der Versicherungsfall ein: Für die Testung stellt Ihnen der behandelnde Arzt eine Rechnung, die Sie zur Kostenerstattung bei Ihrem Versicherer einreichen können. Den Corona-Test rechnet ein Arzt wie andere Behandlungen von Privatpatienten bzw. Selbstzahlern nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) wie folgt ab:

PCR-Test (beziehungsweise ähnlichen Methoden zum Nachweis einer Infektion): ca. 147,00 Euro für die Labordiagnostik (GOÄ-Nr. 4780, 4782, 4783, 4785), ca. 27,00 Euro für die Abstrichentnahme (GOÄ-Nr. 1, 5 und 298 analog) und 6,41 Euro für die Hygienepauschale (GOÄ-Nr. 245 analog, bis zum 31.03.2021)

Antigen-Schnelltest (nur im Ausnahmefall, z.B. bei begrenzter PCR-Kapazität): 16,76 Euro für die Labordiagnostik (GOÄ-Nr. 4648), ca. 27,00 Euro für die Abstrichentnahme (GOÄ-Nr. 1, 5 und 298 analog) und 6,41 Euro für die Hygienepauschale (GOÄ-Nr. 245 analog, bis zum 31.03.2021)

Die Private Krankenversicherung (PKV) trägt ebenfalls die Kosten, wenn ein positiv ausgefallener Antigen-Schnelltest mittels PCR-Test bestätigt wird. Die bestätigende Diagnostik ist eine Krankenbehandlung und wird somit zum Versicherungsfall.

Szenario 2a: Die Corona-Warn-App meldet ein „erhöhtes Risiko“

Die Corona-Warn-App meldet Ihnen eine Begegnung mit hohem Risiko. In diesem Fall erhalten Sie den Hinweis, die Hausarztpraxis, den ärztlichen Bereitschaftsdienst (unter 116117) oder das Gesundheitsamt zu kontaktieren, um das weitere Vorgehen abzustimmen.

Ein durchgeführter Test wird auch bei Privatpatienten aus dem Gesundheitsfonds bezahlt. Hierfür kommen privat Krankenversicherte ebenso auf wie gesetzliche Versicherte, denn für die Testkosten erhält der Gesundheitsfonds einen Steuerzuschuss.

Nach dem Test erhalten Sie ein Formular mit einem QR-Code, mit dem Sie das Testergebnis über die Corona-Warn-App abrufen können. Verwendet die Hausarztpraxis das Formular ausnahmsweise nicht, können die Versicherten die für die Corona-App benötigte TAN auch über die hierfür eingerichtete Hotline erfragen. Weitere Hinweise finden Sie auf dieser Website des BMG

Die Corona-Warn-App - Ein Erklärfilm

Szenario 2b: Ein Arzt oder Gesundheitsamt verordnet einen Test wegen Kontakt mit einer infizierten Person

Wenn Sie Kontakt mit einer infizierten Person hatten, aber keine Symptome aufweisen, haben Sie als sogenannte Kontaktperson dennoch Anspruch auf einen kostenlosen Corona-Test (PCR-Test). Die Einordnung als Kontaktperson sowie die Verordnung und Durchführung des Tests erfolgt über den behandelnden Arzt einer mit dem Coronavirus infizierten Person oder das Gesundheitsamt.

Als Kontaktperson gelten insbesondere Personen, die in den letzten zehn Tagen

  • insbesondere in Gesprächssituationen mindestens 15 Minuten ununterbrochen oder direkten Kontakt (mit Körperflüssigkeiten) zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatten,
  • im gleichen Haushalt mit einem bestätigten Fall leben,
  • in einer Situation waren, in der es zu Aerosol-Übertragung gekommen sein könnte (etwa Feiern, Sport in Innenräumen, Chorproben),
  • mit einer Corona-positiven Person für eine Zeit von mehr als 30 Minuten in relativ beengter Raumsituation waren (etwa Schulklassen, Asylbewerberheime),
  • eine Corona-positive Person betreut oder gepflegt haben oder von einer positiven Person betreut oder gepflegt wurden.

Bei Kontaktpersonen sollten Antigen-Schnelltests ebenfalls nur im Ausnahmefall angewendet werden, z. B. bei begrenzter PCR-Kapazität oder zur Überbrückung der Wartezeit auf das Ergebnis einer gleichzeitig eingeleiteten PCR-Untersuchung.

Die Tests müssen nicht ausschließlich in Arztpraxen durchgeführt werden. Das Gesundheitsamt kann auch beispielsweise Zahnärztinnen und Zahnärzte oder Apotheken damit beauftragen. Letztere dürfen allerdings nur Antigen-Schnelltests durchführen.

Die Testung von gesetzlich und privat krankenversicherten Kontaktpersonen wird in diesem Szenario direkt über die Kassenärztlichen Vereinigungen abgerechnet*. Eine Abrechnung ärztlicher Leistungen nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ist ausgeschlossen. Dafür stellt die Kassenärztliche Bundesvereinigung ein entsprechendes Formular zur Verfügung.

Positiver Antigen-Schnelltest

Fällt ein Antigen-Schnelltest bei einer symptomlosen Kontaktperson allerdings positiv aus, kann die Diagnose als Krankenbehandlung angesehen werden. Die Kosten für die nachfolgende PCR-Testung sind von der jeweiligen Privaten Krankenversicherung des Versicherten zu übernehmen. Die Abrechnung der ärztlichen Leistungen sowie die Labordiagnostik erfolgen dann nach der GOÄ.

Szenario 3: Sie müssen ins Krankenhaus oder sich einer ambulanten Operation unterziehen

Wer ins Krankenhaus muss, wird in der Regel vor der Aufnahme auf das Corona-Virus getestet. Die Kosten, die dem Krankenhaus im Rahmen einer stationären Behandlung für die Corona-Testung entstehen, werden über ein sogenanntes Zusatzentgelt vergütet. Dieses Zusatzentgelt wird als allgemeine Krankenhausleistung von der PKV übernommen.

Wird vor einer ambulanten Operation bei Ihnen ein Corona-Test durchgeführt, dürfen Ihnen die Testkosten nicht in Rechnung gestellt werden. Diese werden nach der Coronavirus-Testverordnung vom Gesundheitsfonds übernommen.

Szenario 4: In einer Einrichtung, in der Sie behandelt oder betreut werden, ist eine Infektion aufgetreten

Zum Schutz von Gruppen mit besonders hohem Risiko hat die Nationale Teststrategie u.a. für Einrichtungen im Gesundheitswesen spezifische Regelungen festgelegt. Sie gelten für Krankenhäuser, Pflegeheime und Pflegedienste, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, Dialyse- oder Rehabilitationseinrichtungen, ambulante Operationszentren sowie Arzt- und Zahnarztpraxen.

Wurde in diesen Einrichtungen in den letzten zehn Tagen eine Corona-Infektion festgestellt, dürfen sich Mitarbeiter, Patienten, Bewohner sowie Besucher kostenlos testen lassen, auch wenn sie keine Symptome zeigen.

Wenn Sie Angehörige im Krankenhaus und Pflegeheim besuchen möchten, können die Einrichtungen Sie in Abstimmung mit der lokalen Gesundheitsbehörde unmittelbar vor dem Besuch mit einem Antigen-Schnelltest auf eine Infektion testen. Weitere Informationen

Szenario 5: Sie kehren von einer Auslandsreise zurück

Wer in den letzten zehn Tagen vor Einreise nach Deutschland in einem Risikogebiet war, muss sich laut Musterquarantäneverordnung vor der Einreise digital unter: www.Einreiseanmeldung.de anmelden. Diese Web-Anwendung kann von Nutzern digitaler Endgeräte (Desktop, Tablet, Smartphone) weltweit abgerufen werden. Wer die digitale Anmeldung nicht nutzen kann, muss eine Ersatzmitteilung in Papierform ausfüllen. Welche Länder als Risikogebiete gelten, finden Sie stets aktuell auf der Internetseite des Robert Koch-Instituts.

Seit dem 11. Januar gilt in allen Bundesländern nach einem Aufenthalt in einem Risikogebiet eine Testpflicht. Sie müssen bis spätestens 48 Stunden nach der Einreise nachweisen, dass sie nicht mit dem Coronavirus infiziert sind. Ein Test ist frühestens 48 Stunden vor der Einreise möglich. Auf Aufforderung müssen Sie das Testergebnis dem zuständigen Gesundheitsamt vorlegen. Die Kosten für den Test tragen Sie selbst.

Zusätzlich müssen Sie in der Regel nach einem Aufenthalt in einem Risikogebiet eine 10-tägige Quarantäne einhalten. Mit einem negativen Testergebnis kann die Dauer der Quarantäne reduziert werden. Ein entsprechender Corona-Test kann frühestens 5 Tage nach Einreise durchgeführt werden. Sollten trotz negativem Testergebnis binnen 10 Tagen nach der Einreise Covid-19-typische Symptome auftreten, müssen Sie das Gesundheitsamt sofort benachrichtigen.

Wenn Sie aus einem Risikogebiet mit besonders hohen Inzidenzen oder besonders ansteckenden Virusvarianten (z. B. Großbritannien) einreisen, müssen Sie bereits vor der Einreise nach Deutschland nachweisen können, dass Sie sich nicht mit dem Corona-Virus infiziert haben.

Mehr Informationen: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus-infos-reisende/

Hinweis: Grundsätzlich fällt es in die Zuständigkeit der einzelnen Bundesländer, Vorschriften zu Quarantänemaßnahmen für Ein- und Rückreisende aus Risikogebieten außerhalb Deutschlands zu erlassen. Bitte informieren Sie sich zusätzlich auf den Internetseiten Ihres Bundeslandes.

Szenario 6: Sie reisen innerhalb Deutschlands

Als Rückkehrer aus innerdeutschen Risikogebieten haben Sie keinen Anspruch mehr auf einen kostenlosen Corona-Test.

Szenario 7: Der Arbeitgeber veranlasst eine Corona-Testung

Veranlasst Ihr Arbeitgeber aus Gründen des Arbeitsschutzes die Testung, so hat er auch für die Kosten aufzukommen. Für Ihre private Krankenversicherung besteht keine Pflicht zur Kostenübernahme.

Sonderregelungen sieht die Nationale Teststrategie für das Personal von Gesundheitseinrichtungen vor. Sie können sich bei erhöhtem Infektionsgeschehen (z.B. 7-Tage-Inzidenz >50/100.000) in Abstimmung mit der lokalen Gesundheitsbehörde auch vorsorglich regelmäßig kostenlos testen lassen. Das gilt für folgende Einrichtungen:

  • Krankenhäuser
  • Rehabilitationseinrichtungen
  • stationären Pflegeeinrichtungen
  • Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen
  • Einrichtungen für ambulante Operationen
  • Dialysezentren
  • ambulante Pflege
  • Arztpraxen, Zahnarztpraxen und Praxen anderer medizinischer Heilberufe  

Szenario 8: Sie möchten freiwillig einen Corona-Test machen

Wenn Sie auf eigenen Wunsch vom Arzt oder in der Apotheke einen Corona-Test durchführen lassen, handelt es sich um eine Wunsch- oder Verlangensleistung im Sinne von § 1 Abs. 2 Satz 2 GOÄ. Dies ist kein Versicherungsfall der Privaten Krankenversicherung.

Eine Ausnahme gilt, wenn Sie in Bayern wohnen: Die Landesregierung hat zum 1. Juli 2020 beschlossen, dass sich alle Einwohner auf Kosten des Freistaats von Ärzten mit einer Kassenzulassung auf das Corona-Virus testen lassen können. Die Abrechnung erfolgt über die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns, mit der das Bayerische Gesundheitsministerium Vereinbarungen zur Kostenübernahme und Abrechnung getroffen hat.

*) Die Abrechnung der Testkosten erfolgt über die Kassenärztliche Vereinigung und wird über einen zusätzlichen Steuerzuschuss aus dem Gesundheitsfonds der Gesetzlichen Krankenversicherung finanziert. Für diesen Steuerzuschuss kommen privat Krankenversicherte ebenso auf wie gesetzlich Versicherte.

15. Januar 2021

 

 

 

 

  • print
  • Mail