Corona-Tests bei Privatversicherten: Diese Regeln gelten

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Ab dem 13. November 2021 gibt es die sogenannten „Bürgertests“ wieder für alle kostenfrei. Die Bundesregierung hat dafür die Coronavirus-Testverordnung geändert. Alle Bürgerinnen und Bürger haben dann unabhängig vom Impf- oder Genesenenstatus mindestens einmal pro Woche Anspruch auf einen kostenfreien Antigen-Schnelltest. Seit dem 11. Oktober standen die kostenfreien Tests nur noch bestimmten Personengruppen zur Verfügung (z. B. unter 12-jährigen Kindern und Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können). Alle anderen Personen ohne coronaspezifische Symptome mussten die Corona-Schnelltests selbst zahlen. Grund für die Wiedereinführung der kostenlosen Bürgertests sind die rasant gestiegenen Infektionszahlen.

Darüber hinaus haben Sie weiterhin Anspruch auf eine Corona-Testung, wenn Sie Kontakt mit einer infizierten Person hatten. Mehr dazu erfahren Sie in diesem Artikel.

Was weiterhin gilt

Wenn Sie einen Selbsttest machen, der positiv ausfällt, sollten Sie diesen unbedingt durch einen PCR-Test bestätigen lassen. Dafür wenden Sie sich an Ihren Hausarzt oder melden sich unter der Telefonnummer 116 117. Bis zum Ergebnis sollten Sie zu Hause bleiben und sich an die AHAL-Regeln halten.

Nach einem positiven Antigen-Schnelltest in einem Testzentrum besteht die Möglichkeit, gleich vor Ort die Probe für einen PCR-Test abnehmen zu lassen. Positive Ergebnisse von Antigen-Schnelltests sind meldepflichtig.

Wer sich mit dem Coronavirus infiziert hat und genesen ist, hat Anspruch auf die Erstellung eines COVID-19-Genesenenzertifikats. Derzeit gilt als genesen, wer positiv mittels PCR-Test auf COVID-19 getestet wurde und dessen Testergebnis mindestens 28 Tage und maximal sechs Monate zurückliegt.

Hinweis: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur neuen Test-Verordnung hat das Bundesgesundheitsministerium auf seiner Internetseite aufbereitetet: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus/nationale-teststrategie/faq-covid-19-tests.html

Welche Regeln noch für Privatversicherte gelten, haben wir anhand von sieben Szenarien zusammengestellt:

1.   Ihr Haus- oder Facharzt veranlasst einen Test aufgrund von Krankheitssymptomen

2a. Die Corona-Warn-App meldet ein "erhöhtes Risiko"

2b. Ein Arzt oder Gesundheitsamt verordnet einen Test wegen Kontakt mit einer infizierten Person

3.   Sie müssen ins Krankenhaus oder sich einer ambulanten Operation unterziehen

4.   In einer Einrichtung, in der Sie arbeiten, behandelt oder betreut werden, ist eine Infektion aufgetreten

5.   Sie kehren von einer Auslandsreise zurück

6.   Ihr Arbeitgeber veranlasst eine Corona-Testung

7.   Sie möchten freiwillig einen Corona-Test machen
 

Szenario 1: Ihr Haus- oder Facharzt veranlasst einen Test aufgrund von Krankheitssymptomen

Verordnet Ihr Haus- oder Facharzt bzw. Ihre Ärztin Ihnen einen Corona-Test, weil Sie für die Krankheit COVID-19 häufig auftretende Symptome zeigen, setzt bei Privatversicherten der Versicherungsfall ein: Für die Testung stellt Ihnen der behandelnde Arzt eine Rechnung, die Sie zur Kostenerstattung bei Ihrem Versicherer einreichen können. Den Corona-Test rechnet ein Arzt wie andere Behandlungen von Privatpatienten bzw. Selbstzahlern nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) wie folgt ab:

PCR-Test (beziehungsweise ähnlichen Methoden zum Nachweis einer Infektion): ca. 147,00 Euro für die Labordiagnostik (GOÄ-Nr. 4780, 4782, 4783, 4785), ca. 27,00 Euro für die Abstrichentnahme (GOÄ-Nr. 1, 5 und 298 analog) und 6,41 Euro für die Hygienepauschale (GOÄ-Nr. 245 analog, bis zum 31.12.2021)

Antigen-Schnelltest (nur im Ausnahmefall, z.B. bei begrenzter PCR-Kapazität): 16,76 Euro für die Labordiagnostik (GOÄ-Nr. 4648), ca. 27,00 Euro für die Abstrichentnahme (GOÄ-Nr. 1, 5 und 298 analog) und 6,41 Euro für die Hygienepauschale (GOÄ-Nr. 245 analog, bis zum 31.12.2021)

Wichtig: Nach einem positiven PCR-Test hat die getestete Person bei begründetem Verdacht auf das Vorliegen einer Virusvariante einen Anspruch auf eine variantenspezifische PCR-Testung. Die Kosten hierfür werden vom Gesundheitsfonds übernommen.

Szenario 2a: Die Corona-Warn-App meldet ein „erhöhtes Risiko“

Die Corona-Warn-App meldet Ihnen eine Begegnung mit hohem Risiko. In diesem Fall erhalten Sie den Hinweis, die Hausarztpraxis, den ärztlichen Bereitschaftsdienst (unter 116117) oder das Gesundheitsamt zu kontaktieren, um das weitere Vorgehen abzustimmen.

Ein durchgeführter Test wird auch bei Privatversicherten aus dem Gesundheitsfonds bezahlt. Hierfür kommen privat Krankenversicherte ebenso auf wie gesetzliche Versicherte, denn für die Testkosten erhält der Gesundheitsfonds einen Steuerzuschuss.

Nach dem Test erhalten Sie ein Formular mit einem QR-Code, mit dem Sie das Testergebnis über die Corona-Warn-App abrufen können. Verwendet die Hausarztpraxis das Formular ausnahmsweise nicht, können die Versicherten die für die Corona-App benötigte TAN auch über die hierfür eingerichtete Hotline erfragen. Weitere Hinweise finden Sie auf dieser Website des BMG

Die Corona-Warn-App - Ein Erklärfilm

Szenario 2b: Ein Arzt oder Gesundheitsamt verordnet einen Test wegen Kontakt mit einer infizierten Person

Wenn Sie Kontakt mit einer infizierten Person hatten, aber keine Symptome aufweisen, haben Sie als sogenannte Kontaktperson weiterhin Anspruch auf einen kostenlosen Corona-Test. Die Einordnung als Kontaktperson sowie die Verordnung und Durchführung des Tests erfolgt über den behandelnden Arzt einer mit dem Coronavirus infizierten Person oder das Gesundheitsamt.

Als Kontaktperson gelten insbesondere Personen, die in den letzten 14 Tagen

  • Personen, die insbesondere in Gesprächssituationen mit einem Abstand von weniger als 1,5 Metern oder durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten engen Kontakt zu einer mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierten Person hatten
  • Personen, die mit einer mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierten Person in demselben Haushalt leben oder gelebt haben
  • Personen, die durch die räumliche Nähe zu einer mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierten Person mit hoher Wahrscheinlichkeit einer relevanten Konzentration von Aerosolen auch bei größerem Abstand ausgesetzt waren, insbesondere bei Feiern, beim gemeinsamen Singen oder beim Sporttreiben in Innenräumen
  • Personen, die sich mit einer mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierten Person in relativ beengter Raumsituation oder schwer zu überblickender Kontaktsituation aufgehalten haben, insbesondere in Schulklassen, Kitagruppen, Kindertagespflegestellen, Hortgruppen, oder bei Gruppenveranstaltungen
  • Personen, die durch die Corona-Warn-App des Robert Koch-Institutes eine Warnung mit der Statusanzeige erhöhtes Risiko erhalten haben
  • Personen, die Kontakt zu einer mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierten Person hatten

a) die sie in ihrem Haushalt oder in dem Haushalt der mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierten Person behandeln, betreuen oder pflegen oder behandelt, betreut oder gepflegt haben oder

b) von der sie in ihrem Haushalt oder in dem Haushalt der mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierten Person behandelt, betreut oder gepflegt werden oder behandelt, betreut oder gepflegt wurden.

Der Anspruch besteht bis zu 21 Tage nach dem Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person.

Bei Kontaktpersonen sollten Antigen-Schnelltests nur im Ausnahmefall angewendet werden, z. B. bei begrenzter PCR-Kapazität oder zur Überbrückung der Wartezeit auf das Ergebnis einer gleichzeitig eingeleiteten PCR-Untersuchung.

Die Tests müssen nicht ausschließlich in Arztpraxen durchgeführt werden. Das Gesundheitsamt kann auch beispielsweise Zahnärztinnen und Zahnärzte oder Apotheken damit beauftragen.

Die Testung von gesetzlich und privat krankenversicherten Kontaktpersonen wird in diesem Szenario direkt über die Kassenärztlichen Vereinigungen abgerechnet*. Dafür stellt die Kassenärztliche Bundesvereinigung ein entsprechendes Formular zur Verfügung. Eine Abrechnung ärztlicher Leistungen nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ist ausgeschlossen.

Positiver Antigen-Schnelltest

Fällt ein Antigen-Schnelltest bei einer symptomlosen Kontaktperson positiv aus, muss dieser mittels PCR-Test bestätigt werden. Die Kosten dafür werden vom Gesundheitsfonds übernommen.

Szenario 3: Sie müssen ins Krankenhaus oder sich einer ambulanten Operation unterziehen

Wer ins Krankenhaus muss, wird in der Regel vor der Aufnahme auf das Coronavirus getestet. Die Kosten, die dem Krankenhaus im Rahmen einer stationären Behandlung für die Corona-Testung entstehen, werden über ein sogenanntes Zusatzentgelt vergütet. Dieses Zusatzentgelt wird als allgemeine Krankenhausleistung von der PKV übernommen.

Wird vor einer ambulanten Operation bei Ihnen ein Corona-Test durchgeführt, dürfen Ihnen die Testkosten nicht in Rechnung gestellt werden. Diese werden nach der Coronavirus-Testverordnung vom Gesundheitsfonds übernommen.

Wichtig: Routinemäßige Coronatests als symptomlose Standardtestungen können nicht als wahlärztliche Leistungen nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet werden. Mehr Informationen dazu unter: www.derprivatpatient.de/infothek/nachrichten/wahlaerztliche-behandlung-im-krankenhaus-abrechnung-von-corona-tests

Szenario 4: In einer Einrichtung, in der Sie arbeiten, behandelt oder betreut werden, ist eine Infektion aufgetreten

Zum Schutz von Gruppen mit besonders hohem Risiko hat die Nationale Teststrategie u.a. für Einrichtungen im Gesundheitswesen spezifische Regelungen festgelegt. Sie gelten beispielsweise für Krankenhäuser, Pflegeheime und Pflegedienste, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, Dialyse- oder Rehabilitationseinrichtungen, ambulante Operationszentren sowie Arzt- und Zahnarztpraxen.

Wurde in diesen Einrichtungen in den letzten 14 Tagen eine Corona-Infektion festgestellt, sollte bei Mitarbeitern, Patienten, Bewohnern sowie Besuchern ein Corona-Test durchgeführt werden, auch wenn sie keine Symptome zeigen. Dieser Test ist für sie kostenlos.

Wenn Sie Angehörige im Krankenhaus oder Pflegeheim besuchen möchten, können die Einrichtungen Sie unmittelbar vor dem Besuch mit einem Corona-Test auf eine Infektion testen. Der Test ist für Sie ebenfalls kostenlos.

Szenario 5: Sie kehren von einer Auslandsreise zurück

Aktuelle Informationen für die Einreise nach Deutschland stellt das Bundesgesundheitsministerium auf seiner Internetseite zur Verfügung. Auf der Internetseite des Robert Koch-Instituts finden Sie eine Übersicht über die Länder, die als Risikogebiete, Hochinzidenzgebiete oder Virusvarianten-Gebiete eingestuft werden. Diese Informationen werden regelmäßig aktualisiert.

Die Kosten für einen Corona-Test wegen Rückkehr aus dem Ausland müssen Sie selbst tragen.

Weitere Informationen rund um Ihren Versicherungsschutz in Corona-Zeiten im Ausland finden Sie hier.

Szenario 6: Ihr Arbeitgeber veranlasst eine Corona-Testung

Wenn Sie nicht ausschließlich im Homeoffice arbeiten können, ist Ihr Arbeitgeber verpflichtet, Ihnen mindestens zweimal in der Woche einen Corona-Test anzubieten. Die Kosten für die Tests trägt Ihr Arbeitgeber.

Szenario 7: Sie möchten freiwillig einen Corona-Test machen

Wenn Sie auf eigenen Wunsch vom Arzt oder in der Apotheke einen PCR-Test durchführen lassen, handelt es sich um eine Wunsch- oder Verlangensleistung im Sinne von § 1 Abs. 2 Satz 2 GOÄ. Dies ist kein Versicherungsfall der Privaten Krankenversicherung.

*) Die Abrechnung der Testkosten erfolgt über die Kassenärztliche Vereinigung und wird über einen zusätzlichen Steuerzuschuss aus dem Gesundheitsfonds der Gesetzlichen Krankenversicherung finanziert. Für diesen Steuerzuschuss kommen privat Krankenversicherte ebenso auf wie gesetzlich Versicherte.

November 2021

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