Warum sind Privatversicherte bei einer Direktversicherung im Vorteil?

Mit einer umfassenden Reform wollte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) vor 15 Jahren das deutsche Gesundheitssystem modernisieren. So trat zum Jahr 2004 das „GKV-Modernisierungsgesetz“ in Kraft. Neben der Einführung von Praxisgebühr und Festzuschüssen für Zahnersatz hat das Gesetz auch die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) teilweise neu geordnet – mit weitreichenden Folgen für die Altersvorsorge vieler erwerbstätiger Versicherter. Denn seitdem sind auf sämtliche sogenannte Versorgungsbezüge der volle GKV-Beitrag (zurzeit 14,6 Prozent) und der individuelle Zusatzbeitrag der jeweiligen gesetzlichen Krankenkasse zu zahlen. Hinzu kommt noch der volle Beitrag zur Pflegeversicherung.

Was bedeutet Beitragszahlung auf Versorgungsbezüge konkret?

Versorgungsbezüge sind Einnahmen, die vergleichbar der Rente zur Altersversorgung dienen. Darunter fallen zum Beispiel Zahlungen aus berufsständischen Versorgungswerken oder eine betriebliche Altersvorsorge. Viele Arbeitnehmer kommen über ihre Arbeitgeber in den Genuss einer Direktversicherung. Der Arbeitgeber ist Versicherungsnehmer und übernimmt für die Dauer des Beschäftigungsverhältnisses die Beiträge zugunsten des Arbeitnehmers. Dieser erhält dann später nicht nur seine gesetzliche Rente, sondern auch die Auszahlung aus der Direktversicherung. Allerdings nicht unbedingt in voller Höhe.

Egal, ob die vertraglich vereinbarte Summe monatlich oder auf einmal ausgezahlt wird: Gesetzlich Versicherte müssen einen Beitrag an die Krankenkasse entrichten – auch wenn der Versicherungsvertrag vor der gesetzlichen Neuregelung abgeschlossen wurde. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Versicherte freiwilliges oder Pflichtmitglied der GKV ist. Befreit von der Beitragszahlung sind lediglich diejenigen Versicherten, deren monatliche Versorgungsbezüge unter 152,25 Euro liegen (Stand 2018).

Krankenkassenbeiträge von mehreren Tausend Euro

Beispiel: Der Versicherte erhält eine Summe von 30.000 Euro aus der Direktversicherung als Einmalauszahlung. Seine Beiträge an die GKV werden über 10 Jahre gestreckt und dafür die 30.000 Euro auf den monatlichen Betrag für 10 Jahre umgerechnet: 30.000 / 10 / 12 = 250. Auf die 250 Euro muss er nach aktuellem Stand 14,6 Prozent für die Krankenversicherung und 2,55 Prozent für die Pflegeversicherung zahlen. Das ergibt einen zusätzlichen Beitrag zum „normalen“ Kassenbeitrag von 43,75 Euro bzw. über den gesamten Zahlungszeitraum von 10 Jahren gesehen 5.250 Euro – sofern es keine Beitragserhöhungen gibt. Einen Zuschuss vom Rentenversicherungsträger o.ä. erhält der Rentner hierfür nicht. Ist er Mitglied einer Kasse mit Zusatzbeitragssatz oder/und kinderlos, fällt der Beitrag noch höher aus.

Die Private Krankenversicherung kalkuliert ihre Beiträge einkommensunabhängig. Deshalb hat es keinen Einfluss auf den Beitrag, ob und welche Zusatzeinkommen die Versicherten haben. Sie erhalten deshalb die komplette Summe ihrer Altersvorsorge und müssen lediglich die üblichen Steuern darauf zahlen – so wie gesetzlich Versicherte auch.

  • print
  • Mail