Acht Punkte zum Krankentagegeld, die Sie kennen sollten

"Manchmal läuft im Leben alles glatt, vorausgesetzt dass man ein Fahrrad hat“, singt Max Raabe in seinem aktuellen Gute-Laune-Hit „Fahrrad fahr´n“. Dass im Leben mit der einen oder anderen Kurve auch das Unfallrisiko steigt, ist dieser Tage nicht nur bei der Tour de France zu sehen. Ein komplizierter Beinbruch durch einen Fahrradunfall etwa ist nicht nur schmerzhaft – eine längere Krankschreibung kann auch finanzielle Auswirkungen haben.

Arbeitnehmer erhalten zwar zunächst eine Lohnfortzahlung von ihrem Arbeitgeber. Irgendwann aber ist Schluss. Bei Selbstständigen reduziert sich das Einkommen ab dem ersten Krankheitstag und entfällt im Zweifelsfall komplett. Deshalb schließen Arbeitnehmer und Selbstständige zusätzlich zu ihrer privaten Krankheitsvollversicherung eine private Krankentagegeldversicherung ab: Wie das Krankengeld der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wird das private Krankentagegeld dann gezahlt, wenn Sie infolge einer Krankheit oder eines Unfalls kein Einkommen mehr aus Ihrer Erwerbstätigkeit erzielen. Die Leistungen sind damit existenzsichernd. Umso wichtiger ist es, dass Sie immer genauestens über Ihren Versicherungsschutz Bescheid wissen.

1. Ab wann erhalten Sie Krankentagegeld?

Bei Vertragsabschluss können Sie den Auszahlungsbeginn des Krankentagegeldes mitbestimmen. Üblicherweise haben Sie die Wahl zwischen verschiedenen Karenzzeiten von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten. Karenzzeit nennt man die Zeit zwischen Eintritt der Arbeitsunfähigkeit und dem ersten Tag der Krankentagegeldleistung.

Arbeitnehmer haben in der Regel eine Krankentagegeldversicherung mit Auszahlung ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit, da die meisten Arbeitgeber im Krankheitsfall sechs Wochen lang den Lohn fortzahlen. Sie können aber selbstverständlich auch einen späteren Start wählen. Nicht möglich ist lediglich, dass Sie gleichzeitig Lohn und Krankentagegeld erhalten. Bei Selbstständigen fällt das Einkommen häufig bereits mit Beginn einer Krankheit weg. Deshalb kann hier die Krankentagegeldzahlung schon früher einsetzen, z. B. ab dem 4. oder 22. Tag der Arbeitsunfähigkeit.

Wichtig: Die Entscheidung über den Auszahlungsbeginn sollte jeder Versicherte in Abhängigkeit von seiner eigenen finanziellen Situation treffen: Wie lange komme ich ohne Einkommen über die Runden? Im Zweifelsfall ist ein höherer Versicherungsbeitrag wegen früherer Krankentagegeld-Zahlung besser zu schultern als eine längere Phase ohne Einkommen. Grundsätzlich ist es übrigens auch möglich, die Karenzzeit auch zu ändern. Fragen Sie hierzu Ihren Versicherer.

2. Wie hoch ist Ihr Krankentagegeld?

Wissen Sie noch, wie hoch Ihr Krankentagegeld ist? Bei gesetzlich Versicherten ist die Höhe ihres Krankengeldes festgelegt: 70 Prozent des Bruttoeinkommens, höchstens aber 90 Prozent des Nettoeinkommens, wobei das Einkommen nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze (2018: 4.425 Euro/Monat) berücksichtigt wird.

In der PKV können Sie hingegen die Höhe ihres Krankentagegeldes zu Versicherungsbeginn mit Ihrem Versicherungsunternehmen fast frei vereinbaren. „Fast frei“, weil die Höhe auf Ihr Nettoeinkommen begrenzt ist. Relevant ist dabei das durchschnittliche Nettoeinkommen der vergangenen zwölf Monate, wobei Selbstständige im Einzelfall prüfen sollten, welches Einkommen bei der Krankentagegeldberechnung berücksichtigt wird. Ob Sie bei Arbeitsunfähigkeit Ihr volles Nettoeinkommen beibehalten oder sich auf 90, 80, … Prozent davon beschränken – das bleibt allein Ihnen überlassen. Dabei ist Ihr Krankentagegeld nicht in Stein gemeißelt, sondern die Höhe ist auch veränderbar.

Wichtig: Wenn Ihr Einkommen dauerhaft sinkt – beispielsweise durch einen Jobwechsel –, sollten Sie dies Ihrem Versicherer mitteilen und ein niedrigeres Krankentagegeld mit entsprechend niedrigerem Beitrag vereinbaren. Bei der Auszahlung schaut Ihr Versicherer nämlich darauf, was Sie in den letzten 12 Monaten vor Ihrer Arbeitsunfähigkeit bzw. vor der Antragstellung auf Krankentagegeld durchschnittlich verdient haben. Schließlich darf Ihr Tagegeld das Nettoeinkommen nicht übersteigen. – Ebenso können Sie selbstverständlich eine Erhöhung der Versicherungsleistung beantragen, wenn Sie dies nach Ihrer Einschätzung benötigen oder wünschen.

Da es sich bei einer Erhöhung des Krankentagegeldes um eine Leistungsausweitung handelt, wird Ihr Versicherer grundsätzlich hierfür eine Gesundheitsprüfung verlangen. Die meisten Versicherer bieten auch von sich aus in regelmäßigen Abständen eine Erhöhung an. Wenn Sie bestimmte Voraussetzungen (z. B. Fristen) erfüllen, entfällt in der Regel die Gesundheitsprüfung. Üblicherweise verzichten die Versicherer hierauf ebenso, wenn Sie den Antrag nach einer Gehaltserhöhung innerhalb einer im Vertrag bestimmten Frist stellen.

3. Wie kommt Ihr Beitrag zur Krankentagegeldversicherung zustande?

Die Höhe Ihres Beitrages für die Krankentagegeldversicherung ist abhängig von:

  • Höhe des Krankentagegeldes
  • Auszahlungsbeginn
  • Ihr Alter bei Abschluss der Versicherung
  • Ihr Gesundheitszustand bei Abschluss der Versicherung.

Vorerkrankungen können das kalkulatorische Risiko erhöhen, dass Sie die Krankentagegeldversicherung in Anspruch nehmen müssen. Das Versicherungsunternehmen kann dann einen Risikozuschlag erheben. Erkranken Sie nach Abschluss der Versicherung, hat das hingegen keine Auswirkung auf Ihren Beitrag – egal, wie häufig Sie ggf. Krankentagegeld erhalten. Ist eine Erkrankung, derentwegen sie einen Risikozuschlag zahlen, ausgeheilt, können Sie bei Ihrem Versicherer beantragen, dass er diesen überprüft.

Wichtig: Zahlen Sie immer Ihren Beitrag. Wenn Sie Ihrer Beitragspflicht nicht nachkommen, ist Ihre Versicherung auch nicht zur Leistung verpflichtet, d. h. Sie erhalten kein Krankentagegeld. Zudem kann Ihnen der Versicherer bei weiterem Zahlungsverzug kündigen.

4. Was sollten Sie beachten, wenn Sie Ihren Beruf wechseln?

Die Zahlung des Krankentagegeldes ist an die von Ihnen angegebene Tätigkeit gebunden. Deshalb müssen Sie Ihren Versicherer informieren, wenn Sie einen Berufswechsel vornehmen. Dies gilt auch, wenn Sie weiterhin die gleiche Tätigkeit ausüben, aber von der Selbstständigkeit in ein Angestelltenverhältnis wechseln oder umgekehrt. Da sich mit einem Jobwechsel in der Regel auch das Einkommen ändert, bietet es sich an, dem Versicherer beide Sachverhalte zugleich mitzuteilen. So vermeiden Sie im Zweifelsfall Konflikte.

5. Wann sollten Sie Ihre Arbeitsunfähigkeit melden?

Die Versicherer erkennen keine rückwirkende Feststellung der Arbeitsunfähigkeit an. Lassen Sie sich deshalb Ihre Arbeitsunfähigkeit frühzeitig ärztlich bestätigen und melden Sie sie rechtzeitig. Die Karenzzeit beginnt an dem Tag, an dem ein Arzt die Arbeitsunfähigkeit schriftlich festgestellt hat. Innerhalb welcher Frist Sie Ihren Versicherer darüber informieren müssen, ist in Ihren Versicherungsbedingungen festgelegt. Meistens ist sie identisch mit der Karenzzeit. Erstreckt sich Ihre Arbeitsunfähigkeit über einen längeren Zeitraum, fordert Ihre Versicherung Sie zu regelmäßigen Nachweisen durch ärztliche Atteste auf.

6. Warum sollten Sie bei Arbeitsunfähigkeit an Ihre Rente denken?

Sobald Sie bei Arbeitsunfähigkeit keine Lohnfortzahlung mehr erhalten, sind Sie nicht mehr versicherungspflichtig in der gesetzlichen Rentenversicherung. Damit Ihnen aber auch diese Zeiten bei der Rente angerechnet werden, können Sie sich für bis zu 18 Monate pflichtversichern – vorausgesetzt, Sie waren zuletzt mindestens ein Jahr lang rentenversicherungspflichtig. Hierfür müssen Sie beim zuständigen Rentenversicherungsträger einen Antrag stellen. Die Beiträge für die Rentenversicherung können Sie mit Ihrem Krankentagegeld finanzieren.

Wichtig: Sie sollten den Antrag zur Weiterführung der Rentenversicherung innerhalb von drei Monaten nach Beginn Ihrer Arbeitsunfähigkeit stellen, damit Sie lückenlos rentenversichert sind. Bei späterer Antragstellung sind Sie erst ab dem Tag nach Antragseingang wieder versicherungspflichtig.

Während der Krankentagegeldzahlung sind Sie übrigens als Arbeitnehmer zwar beitragspflichtig in der Arbeitslosenversicherung, müssen sich darum aber nicht kümmern. Ihre Versicherung zahlt für Sie den Beitrag direkt an die Bundesagentur für Arbeit.

7. Wie lange zahlt Ihnen die Versicherung Krankentagegeld?

Das Krankentagegeld ist eine zeitlich unbegrenzte Leistung. Erst wenn Sie nicht mehr vollständig arbeitsunfähig sind, beendet die Versicherung die Auszahlung. Hierfür kann es zwei Gründe geben: Sie haben sich so weit regeneriert, dass Sie zumindest teilweise wieder arbeiten können – oder aber Ihr Gesundheitszustand wird sich absehbar nicht mehr verbessern. Denn die Zahlung des Krankentagegeldes setzt voraus, dass Sie vorübergehend nicht in der Lage sind, ihrem Beruf nachzugehen. Stellt Ihr Arzt hingegen fest, dass sie auf nicht absehbare Zeit, also dauerhaft, erwerbsunfähig sind, ist zu prüfen, ob Berufsunfähigkeit vorliegt. Auch für diesen Fall ist eine Versicherung wichtig.

8. Ist ein Wiedereinstieg in Teilzeit mit Krankentagegeld möglich?

Traditionell leistet die Krankentagegeldversicherung nur bei 100-prozentiger Arbeitsunfähigkeit. Mittlerweile sehen aber immer mehr Tarife auch eine Teilzahlung des Tagegeldes vor, wenn der Versicherte wieder eingeschränkt arbeiten kann. Auf diese Weise soll die Wiedereingliederung ins Arbeitsleben (Hamburger Modell) unterstützt werden. Selbst wenn diese Leistung nicht in den Tarifbedingungen vorgesehen ist, zahlen die Unternehmen häufig auf freiwilliger Basis ein reduziertes Tagegeld. Im Zweifelsfall sollten Sie deshalb immer bei Ihrem Versicherer nachfragen.

Wenn es einmal zu Problemen mit Ihrem Krankentagegeldversicherer kommen sollte, können Sie sich an die kostenlose Schlichtungsstelle der PKV, den PKV-Ombudsmann, wenden.

Juli 2018 Bildrechte: ThinkstockPhotos-819763170

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