Abrechnung Ihrer Arztbehandlung

Als Privatpatient erhalten Sie nach der Behandlung von Ihrem Arzt eine Rechnung. Wir erläutern Ihnen die wesentlichen Elemente der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), damit Sie Ihre Arztrechnung besser verstehen und überprüfen können. Nutzen Sie dazu auch unserer Serviceangebot: Arztrechnung prüfen. Alternativ können Sie die GOÄ auch im Webshop des PKV-Verbands als Druckversion bestellen.

Auf Grundlage der GOÄ wird die Vergütung ärztlicher Leistungen berechnet, die nicht durch die Sozialversicherung abgedeckt sind. Dafür ist der Gebührenordnung ein Gebührenverzeichnis für ärztliche Leistungen als Anlage beigegeben. Nach der GOÄ stehen einem Arzt für die Behandlung Gebühren, Entschädigungen (Wegegeld, Reiseentschädigung) und Ersatz von Auslagen als Vergütung zu.
 

Wie ist eine Arztrechnung aufgebaut?

Unsere Musterrechnung kann Ihnen beim Verständnis und der Überprüfung der Rechnung behilflich sein.

Nummer

Jede ärztliche Leistung ist in der GOÄ mit einer Nummer, einer so genannten Gebührenposition, hinterlegt. Diese Nummer muss in der Rechnung, die Sie von Ihrem Arzt erhalten, neben der jeweiligen Leistungsbeschreibung aufgeführt sein.

Leistungen

Die auf der Rechnung aufgeführte Leistungsbeschreibung (z. B. telefonische Beratung oder Blutsenkung) beschreibt die durch den Arzt erbrachte Leistung in einer Art, wie sie durch die Gebührenordnung für Ärzte vorgeschrieben ist.

Datum

Das Datum der Leistungserbringung durch den Arzt muss in jedem Fall angegeben werden. Besonders wichtig ist dies zur Klärung der Frage, welches Versicherungsjahr für die Erstattung der Kosten herangezogen wird.

Punktzahl

Jeder ärztlichen Leistung ist eine bestimmte Punktzahl zugeteilt. Aufwendigere Leistungen werden mit höheren, weniger aufwendige Leistungen mit niedrigeren Punktzahlen bewertet.

Punktwert

Die Punktzahl wird mit einem einheitlichen Punktwert (0,0582873 € bzw. 5,82873 Cent) multipliziert.

Einfachsatz

Das Ergebnis aus Punktzahl und Punktwert ergibt den so genannten (Gebühren-)Einfachsatz. Er ist die Grundlage zur Berechnung ärztlicher Leistungen.

Ein Beispiel:
Die Blutentnahme, Vene (GOÄ-Nr. 250), wird mit 40 Punkten bewertet. Multipliziert mit dem entsprechenden Punktwert ergibt sich der Einfachsatz von 40 x 0,0582873 € = 2,33 €.

Steigerungsatz

Je nach Schwierigkeitsgrad und Zeitaufwand wird der Einfachsatz nochmals mit unterschiedlich hohen Steigerungssätzen multipliziert. Im Regelfall sind durch den Arzt folgende Sätze abzurechnen:

  • Für persönliche Leistungen zwischen dem einfachen und 2,3fachen des Einfachsatzes.
  • Für medizinisch-technische Leistungen zwischen dem einfachen und 1,8fachen des Einfachsatzes. Das sind normalerweise Leistungen mit hohem Sachkostenanteil oder Leistungen, die der Arzt in der Regel nicht selbst erbringt. Hierzu zählen folgende Abschnitte der GOÄ: A (Gebühren in besonderen Fällen), E (Physikalisch-Medizinische Leistungen) oder O (Strahlendiagnostik, Nuklearmedizin, Magnetresonanztomographie und Strahlentherapie).
  • Für Laboratoriumsuntersuchungen (Abschnitt M der GOÄ) zwischen dem einfachen und 1,15fachen des Einfachsatzes.

Regelhöchstsatz

Das Ergebnis aus Einfachsatz und dem jeweils maximalen Steigerungssatz des Regelfalls ergibt den Regelhöchstsatz. Das heißt, der Einfachsatz wird multipliziert mit dem 2,3fachen, 1,8fachen bzw.1,15fachen.

Den meisten privatärztlichen Abrechnungen liegen die jeweiligen Regelhöchstsätze zugrunde. Damit werden im Durchschnitt Gebühren berechnet, die mehr als dreimal so hoch sind wie die Gebühren zur Behandlung von Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung. Der höhere Abrechnungsmodus bei Privatpatienten sollte durch besondere Serviceleistungen gerechtfertigt sein. Etwa in Qualität und Dauer des persönlichen Arzt-Patienten-Gesprächs oder bei der schnellen Vergabe von Behandlungsterminen und geringeren Wartezeiten in der Arztpraxis.

Höchstsatz

Der Regelhöchstsatz, d.h. das 2,3fache des Gebührensatzes, darf nur ausnahmsweise überschritten werden, wenn die Leistungserbringung besonders schwierig oder zweitaufwendig war oder die Umstände bei der Ausführung der Leistung sich von den üblicherweise vorliegenden Umständen deutlich unterschieden haben und ihnen nicht bereits in der Leistungsbeschreibung des Gebührenverzeichnisses Rechnung getragen worden ist (bis zum 3,5fachen bei persönlichen ärztlichen Leistungen, bis zum 2,5fachen bei medizinisch-technischen Leistungen und bis zum 1,3fachen bei Laboratoriumsleistungen). Außerdem ist dies „auf die einzelne Leistung bezogen für den Zahlungspflichtigen verständlich und nachvollziehbar schriftlich zu begründen" (GOÄ).

Honorarvereinbarung

Die Gebühren und Steigerungssätze der GOÄ sind verbindlich. Jedoch hat der Arzt grundsätzlich die Möglichkeit, die Höchstsätze der GOÄ zu überschreiten. Die hierfür erforderliche abweichende Vereinbarung ist vom Arzt persönlich mit dem Patienten zu treffen; und zwar schriftlich und bevor die Leistung erbracht wird.

Eine derartige Vereinbarung muss neben der Nummer und der Bezeichnung der Leistung, dem vereinbarten Steigerungssatz und dem Betrag auch die Feststellung enthalten, dass Kostenträger, wie z. B. die private Krankenversicherung, die Vergütung möglicherweise nicht in vollem Umfang erstatten. Weitere Erklärungen darf die Vereinbarung nicht enthalten. Eine nähere medizinische Begründung für die höhere Vergütung kann vom Patienten verlangt werden.

Für den Abbruch einer Schwangerschaft, die Notfall- und akute Schmerzbehandlung sowie Leistungen der Abschnitte A (Gebühren in besonderen Fällen), E (Physikalisch-Medizinische Leistungen), M (Laboratoriumsuntersuchungen) und O (Strahlendiagnostik, Nuklearmedizin, Magnetresonanztomographie und Strahlentherapie) der GOÄ sind Honorarvereinbarungen unzulässig.

Analogleistungen

Die GOÄ enthält die Grundlage dafür, dass der Arzt eine nicht in der GOÄ enthaltene Leistung analog einer anderen, in der GOÄ enthaltenen Leistung abrechnen kann. Dies berücksichtigt, dass die GOÄ nicht immer den aktuellen Stand der Medizin abbildet, und gibt die Möglichkeit, neue Behandlungsmethoden zu bewerten.

Laut GOÄ (§ 6 Abs. 2) können nur selbständige ärztliche Leistungen, die nicht im Gebührenverzeichnis aufgeführt sind, entsprechend einer nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertigen Leistung des Gebührenverzeichnisses berechnet werden. Die Leistung muss selbständigen Charakter haben, d. h. Teilschritte einer anderen Leistung oder Modifikationen einer in der GOÄ enthaltenen Leistung können analog nicht berechnet werden. Falls eine analoge Berechnung in Frage kommt, ist eine GOÄ-Leistung als Referenz zu wählen, die der erbrachten Leistung so nahe wie möglich kommt (nach Art, Kosten- und Zeitaufwand).

Auf Ihrer Rechnung muss die analoge Leistung mit „entsprechend" gekennzeichnet, verständlich beschrieben und mit Nummer und Bezeichnung der als gleichwertig betrachteten Leistung versehen werden.

Außerdem muss, gemäß Behandlungsvertrag, die gestellte Diagnose angegeben werden.


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Wie kann ich eine Arztrechnung prüfen?

Sie sollten eine Arztrechnung – so wie jede andere Rechnung auch – zunächst prüfen und erst bei sachlich und rechnerisch korrekter Ausführung bezahlen. Ansonsten können Sie auf eine Korrektur der Rechnung bestehen. Nutzen Sie zur Prüfung Ihrer Arztrechnung auch unser Serviceangebot: Arztrechnung prüfen.

Prüfen Sie die Rechnung vor allem auf ihre Plausibilität und die Formalien. Hierzu zählen:

  • Datum der Leistungserbringung,
  • Nummer und Bezeichnung der Leistung einschließlich einer in der Leistungsbeschreibung gegebenenfalls genannten Mindestdauer,
  • Betrag,
  • Steigerungssatz,
  • Minderungsbetrag bei stationärer Leistung,
  • evtl. Art der Entschädigung und/oder Auslage.

Hilfreich sind folgende Fragen:

  • Wurde die Leistung erbracht?
  • Ist die Rechnung bzw. sind die Steigerungssätze nachvollziehbar und in der Höhe gerechtfertigt?

Begleichen Sie eine Rechnung erst nach der Überprüfung. Gegebenenfalls übernimmt die Prüfung auch Ihre Versicherung. Eine sorgfältige Rechnungsüberprüfung trägt auch zu stabileren Beiträgen in der Krankenversicherung bei.

Bei offenen Fragen bzw. Einwänden zur Rechnung, sollten Sie zunächst den behandelnden Arzt ansprechen. Bleiben danach noch Fragen, kann die Rechnung zur Überprüfung der Krankenversicherung eingereicht werden (inklusive Anmerkungen).

Auf jeden Fall gilt: Rechnungen mit Anmerkungen durch das Prüfprogramm sollten Sie nicht vor der Einreichung zur Erstattung bei Ihrem privaten Krankenversicherungsunternehmen bezahlen. Warten Sie hier bitte zunächst die Prüfung der Erstattung durch Ihr Versicherungsunternehmen ab, bis Sie die Rechnung bezahlen.

In den Unternehmen sitzen Spezialisten, die die Rechnung eingehend prüfen werden und gegebenenfalls nach Rückfragen mit Ihnen oder auch Ihrem behandelnden Arzt zu sachlich abgewogenen Entscheidungen kommen werden.

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